Meistens ist ein Stromausfall nach kurzer Zeit vorbei. Das Bezirksamt Treptow-Köpenick in Berlin spricht von einer kurzen technischen Störung von 10 bis 15 Minuten. Bei großen Schäden kann es länger dauern: Die Verbraucherzentrale erinnert an den großflächigen Ausfall in Berlin im Januar 2026, bei dem der Strom mehrere Tage weg war. Dieser Ratgeber folgt deshalb der Zeit: erst die Minuten, dann die Stunden, dann die Tage.
Wer in Gefahr ist, ruft sofort die 112. Alles Weitere ist Hintergrundwissen und ersetzt weder den Rat deiner Gemeinde noch den von Rettungskräften.
Die ersten Minuten
- Verschaffe dir einen Überblick. Ist nur deine Wohnung betroffen oder das ganze Haus? Ein Blick aus dem Fenster oder ein Klingeln bei den Nachbarn zeigt es schnell. Schau auch in den Sicherungskasten, denn manchmal ist nur ein Leitungsschutzschalter oder der FI-Schalter ausgelöst worden.
- Melde den Ausfall nur, wenn er noch nicht bekannt ist. Zuständig ist der örtliche Netzbetreiber und nicht dein Stromanbieter. Die Notrufnummern bleiben frei: Berlin bittet ausdrücklich, 110 und 112 nicht für Meldungen über den Stromausfall zu wählen. Die Verbraucherzentrale sagt es so: Den Notruf wählst du nur bei echter Gefahr, etwa bei Brand, medizinischen Notfällen oder wenn jemand im Aufzug festsitzt.
- Schalte Geräte aus, die vorher liefen, zum Beispiel Herd, Bügeleisen, Computer und Fernseher. Sonst springen sie beim Wiedereinschalten alle gleichzeitig an und können das Netz überlasten.
- Nimm eine Taschenlampe statt Kerzen, wenn du die Wahl hast. Kerzen brennen nie unbeaufsichtigt, und der Raum muss regelmäßig gelüftet werden, auch im Winter.
- Lass Kühlschrank und Gefrierschrank zu. Wie lange die Lebensmittel darin halten, zeigt der Timer zum Stromausfall.
Informiert bleiben, solange das Netz hält
Deutschland warnt auf mehreren Wegen. Die Berliner Behörde nennt die Warn-Apps NINA und Katwarn sowie Cell Broadcast, das Warnmeldungen direkt aufs Handy schickt. Cell Broadcast braucht keine App, aber ein aktuelles System: Android ab Version 11 oder iOS ab Version 16.1, außerdem ein eingeschaltetes Handy ohne Flugmodus. Die Nachricht ist kurz, höchstens 500 Zeichen, und verweist auf weitere Warnkanäle und das Bundeswarnportal.
Fällt das Mobilfunknetz aus, fallen auch Warn-Apps und Handy-Warnungen aus. Radiosender senden weiter, schreibt das BBK. Ein Batterie-, Kurbel- oder Autoradio ist darum der verlässlichste Weg zu amtlichen Durchsagen.
Mit dem Handy gehst du sparsam um. Luxemburg rät, unnötige Anrufe zu vermeiden und lieber Kurznachrichten zu schicken. Eine geladene Powerbank gehört zur Grundausstattung.
Falls Sirenen heulen: Ein Heulton von 1 Minute bedeutet Gefahr, du informierst dich dann. Ein Dauerton von 1 Minute heißt Entwarnung.
Die ersten Stunden
Wärme ist das erste Thema, denn die Heizung fällt oft aus. Das BBK empfiehlt, einen einzigen Raum zum Aufenthalt zu wählen und die Türen zu schließen, damit die Wärme bleibt. Warme Kleidung und Decken helfen dabei.
Beim Kochen und Heizen mit offener Flamme lauern Gefahren, die das BBK ausdrücklich nennt. Nutze innen nur Geräte, die für Innenräume zugelassen sind, so das BBK. Eine Kohlenmonoxidvergiftung ist lebensgefährlich, und das Gas kannst du laut österreichischem Innenministerium weder sehen noch riechen noch schmecken. Grill und Camping-Kocher für den Außenbereich gehören ins Freie, auf Balkon oder Terrasse, nicht in die Wohnung.
Beim Essen gilt eine feste Reihenfolge: zuerst das, was im Kühlschrank verderben könnte, danach das Gefrierfach, am Ende der Vorrat aus dem Schrank.
Beim Wasser gehen die Quellen auseinander. Das BBK schreibt, dass kein Wasser mehr aus der Leitung kommt. Die Verbraucherzentrale hält dagegen, dass die Versorgung meist erhalten bleibt und nur das warme Wasser fehlt. Was bei dir gilt, hängt von deinem Haus und deinem Versorger ab. Wie viel Vorrat sinnvoll ist, steht im Ratgeber zum Wasservorrat.
Schau außerdem nach Nachbarn, die Unterstützung brauchen, etwa wegen Pflege oder wegen eines Geräts, das Strom braucht. Funktionieren die Notrufnummern nicht mehr, rät das BBK, bei einem Notfall wenn möglich zur nächsten Polizeiwache oder ins Krankenhaus zu gehen.
Wenn der Ausfall Tage dauert
Dann zählt, was du vorher eingelagert hast. Das BBK rät, sich möglichst 10 Tage selbst versorgen zu können. Eine Liste dafür rechnet dir der Notvorrat-Rechner aus.
Ab jetzt sind vier Dinge wichtig:
- Anlaufstellen: In Berlin können bei einem Blackout Katastrophenschutz-Leuchttürme eingerichtet werden. Frag deine Gemeinde, wo bei euch die Anlaufstelle liegt.
- Bargeld: Geldautomaten funktionieren nicht, Kartenzahlung oft auch nicht.
- Hygiene: Bei knappem Wasser empfiehlt das BBK Einweggeschirr, damit nichts gespült werden muss.
- Frost: Im Winter können Wasserleitungen einfrieren.
Wenn der Strom zurückkommt
Schalte die Geräte nacheinander wieder ein. Prüfe, ob Kühlschrank und Gefrierschrank noch genug Kälte halten, und entsorge Lebensmittel, die verdorben sein könnten. Bei Frost beobachtest du Wasserleitungen und Heizung nach dem Neustart, denn Schäden zeigen sich oft erst später.
Was in Österreich und der Schweiz anders ist
In Österreich rät das Innenministerium zu einem Vorrat für mindestens 10 bis 14 Tage. Im Blackout informiert der ORF-Notfallradiosender rund um die Uhr, und die Polizeiinspektionen bleiben besetzt. Das Ministerium empfiehlt außerdem, den Tank nicht fast leer zu lassen und Bargeld bis zu 100 Euro pro Haushaltsmitglied zu Hause zu haben. Ausführliche Listen führt der Österreichische Zivilschutzverband, auf den die Seite des Ministeriums verweist. Dessen Angebot haben wir nicht ausgewertet, hier stützen wir uns nur auf das Innenministerium.
In der Schweiz empfiehlt die Wirtschaftliche Landesversorgung einen Vorrat für rund eine Woche. Für Warnwege und Anlaufstellen schaust du am besten auf die Seiten deines Kantons.
Wo Waystone dazukommt
Wir bauen mit Waystone einen Offline-Assistenten, der solche Schritte ohne Internet anzeigen und auf die Quellseite verweisen soll. Er ist in Entwicklung und noch nicht erhältlich. Wie zuverlässig ein solcher Assistent heute antwortet, steht in unserem Testbericht zur Offline-KI.